17.02.2011 / Allgemein / /

Wieviel Vater braucht ein Mensch?

„Wieviel Vater braucht ein Mensch?“, Titel einer öffentlichen Veranstaltung vom 4.2.2011 anlässlich unserer Generalversammlung mit Andreas Borter, Theologe und Organisationsberater

Beitrag im Muttenzer Anzeiger vom 11.2.2011 von Christopher Gutherz –„Das Bild des Mannes – Starker Ernährer oder fürsorglicher Vater?“

Andreas Borter sprach in Muttenz über Rollenbilder. Der Vortrag zeigte vor allem eines: Bei diesem Thema ist noch Vieles offen.

„Wieviel Vater braucht ein Mensch?“ Eine herausfordernde Fragestellung, die sich auf den ersten Blick nicht leicht beantworten lässt. Versteckt sich dahinter eine etwaige sarkastisch gefärbte und provokative These von Frauenaktivistinnen, die den Vater in der Familie möglicherweise sogar abschaffen wollen, oder geht es um eine rein soziologische Analyse eines Wissenschaftlers? Weder noch!

Der Theologe und diplomierte Organisationsberater, Andreas Borter, referierte am vergangenen Freitag zum oben erwähnten Titel im Coop Ausbildungszentrum. Dies anlässlich der jährlichen Vortragsreihe „Was Sie schon immer wissen wollten“,  zu der die CVP Muttenz auch dieses Jahr einlud.

Ein Exot auf seinem Gebiet: Andreas Borter beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Rollenfragen in der Gesellschaft. Sein besonderes Interesse gilt der Rolle des Mannes, die er kulturell, politisch, gesellschaftlich, theologisch und auch historisch beleuchtet. Seine Ambition besteht nicht darin, die Männerrolle in ihrer Dominanz zu festigen und Fronten zwischen den Geschlechtern aufzubauen. Er ist ein wahrer Verfechter gleichberechtigter Partner in der Familie, der er zum besseren Verständnis die besondere Rolle des Mannes bewusst macht. Als Mann fühlt er sich doch schon eher als Exot bei der Behandlung von Rollenfragen, obliegt diese Aufgabe offenbar grossmehrheitlich den Frauen, die sich verständlicherweise prioritär mit der weiblichen Rolle in der Gesellschaft beschäftigen. Er fordert so auch einen Familienartikel in der Bundesverfassung. Er wünscht sich eine neue Balance zwischen Männer, Frauen und Kindern. Im Väterland Schweiz würden nur zehn Prozent der Schweizer Männer teilzeitlich arbeiten, obwohl mehr Männer diese Form der Arbeit bevorzugten. Andererseits seien 70 Prozent der Mütter von Kindern unter 15 Jahre erwerbstätig. Zudem sei erwiesen, dass sich die Väter seit 1997 im Vergleich zu heute sieben Stunden mehr, das heisst zirka 31 Stunden pro Woche, dem Haushalt und den Kindern widmeten.

Kraft, Stärke und Macht: Nach wie vor ist unsere Männer- und Väterrolle offenbar geprägt von der Historie und der Religion. Tragen wir auch heute noch den Mythos der Tellensöhne in uns, die das Vaterland zu verteidigen haben, wie besonders die Diskussionen im Vorfeld der Abstimmung von diesem Wochenende auch zeigten. Unsere christliche Religion basiert ebenso auf einem sehr patriarchalisch geprägten Bild des biblischen Ur-Vaters, der Kraft, Stärke und Macht ausstrahlt.

Mann muss Existenz sichern: Das zunehmende Eindringen des Vaters in das Häusliche, das immer noch der Kontrolle der Mutter unterstehe, berge die Gefahr, dass der fürsorgliche Vater schnell einmal als die besonders „gute Mutter“ bezeichnet werde und damit keine Eigenständigkeit im Haushalt erfahre. So bestehe deshalb weitum die Ansicht, der Mann sei halt in erster Linie für die Existenzsicherung der Familie da. Wenn er diese zu sehr der Frau überlasse, kämen bei ihm schnell einmal echte Existenzängste hervor. Dies sei auch der Grund für den zunehmenden Zeugungsstreik der jungen Männer. Nebst dem werde die Kleinkinderbetreuung durch Väter, wo die Körperlichkeit noch eine wesentliche Rolle spiele, von der Gesellschaft als potenziell gefährlich eingestuft und somit stark in Frage gestellt.

Fragen über Fragen, die aufzeigten, dass wir noch lange nicht am Ende der Rollendiskussionen angelangt sind und uns im Gegentiel vermehrt aus verschiedener Optik solchen Auseinandersetzungen stellen müssen.

Mehr Informationen darüber finden Sie im Web: www.maenner.ch